Ein Fuß hebt ab, der andere bleibt am Boden. Beim normalen Gehen wechseln sich Phasen mit einem und mit zwei Füßen am Boden ab. Während ein Bein trägt, kann das andere nach vorn schwingen. Der nächste Kontakt bereitet die folgende Gewichtsübernahme vor.

Der Boden gehört zur Bewegung

Über den Fußkontakt wirken Kräfte zwischen Körper und Boden. Sobald sich die Unterstützung verändert, muss der Körper seine Bewegung darauf abstimmen. Dazu gehören Fuß und Bein ebenso wie Becken und Rumpf. Das ist ein mechanischer Zusammenhang; er sagt noch nicht, wie ein bestimmter Mensch sich bewegen muss.

Becken und Brustkorb drehen sich beim Gehen auch um die Längsachse. Ihre Bewegungen laufen dabei nicht immer im gleichen zeitlichen Verhältnis ab. In einer Laufbandstudie verschob sich das Zusammenspiel bei höherem Tempo stärker in Richtung gegenläufiger Drehbewegungen. Ein festes Bild von „Schultern immer genau gegen das Becken“ greift deshalb zu kurz.1

Zusammenhänge sehen, ohne zu viel hineinzuinterpretieren

Ein kleiner Armschwung oder wenig sichtbare Drehung verrät für sich genommen nicht, wie „fest“ der Rumpf ist. Eine experimentelle Untersuchung zeigte, dass sich seine Steifigkeit aus dem zeitlichen Verhältnis von Brustkorb- und Beckendrehung nicht zuverlässig vorhersagen ließ.2

Für die Bewegungserkundung bleibt eine konkrete Idee: Verändere eine Bedingung und beobachte den Zusammenhang. Tempo, Richtung oder Unterstützung können sich ändern; anschließend lässt sich vergleichen, was der übrige Körper tut. So wird aus einem einzelnen Körperteil wieder ein ganzer Bewegungsablauf.

Quellen & Weiterlesen

  1. Lamoth, Beek & Meijer: Pelvis-thorax coordination in the transverse plane during gait (2002) ↗Laufbandstudie mit zehn Teilnehmenden: Die zeitliche Beziehung zwischen Becken- und Brustkorbdrehung veränderte sich mit dem Gehtempo.
  2. Axial Thorax-Pelvis Coordination During Gait is not Predictive of Apparent Trunk Stiffness ↗Originalstudie zur Grenze der Interpretation: Aus dem Verhältnis der Drehbewegungen ließ sich die Rumpfsteifigkeit nicht zuverlässig ableiten.