Du stehst vom Stuhl auf und gehst zur Tür. Das Gewicht wandert nach vorn, die Füße übernehmen die Unterstützung, ein Schritt beginnt. Balance begleitet diese Übergänge. Sie zeigt sich auch darin, eine Bewegung beginnen, anpassen und wieder beenden zu können.
Mehrere Teile stimmen sich ab
In einer Inhaltsanalyse von Feldenkrais-Balance-Lektionen fanden die Forschenden Aufgaben zum Zusammenspiel von Sprunggelenken, Hüften und Rumpf. Die Lage des Körperschwerpunkts zur Unterstützungsfläche wurde in verschiedenen Richtungen erkundet. Das macht den Ansatz anschaulich: Balance wird über zusammenhängende Bewegungen untersucht.1
Was wurde untersucht?
Eine randomisierte Studie von 2009 untersuchte 55 ältere Menschen, im Durchschnitt 75 Jahre alt. Eine Gruppe besuchte acht Wochen lang zweimal wöchentlich Feldenkrais-Stunden, die andere setzte ihre gewohnten Aktivitäten fort. Bei Gehgeschwindigkeit und selbst eingeschätzter Sicherheit vor Stürzen zeigten sich Vorteile für die Kursgruppe. Beim Timed-Up-and-Go-Test war der Unterschied statistisch nicht eindeutig. Dieser Test verbindet Aufstehen, Gehen, Wenden und Hinsetzen.2
Die Ergebnisse geben Hinweise für diese Gruppe und diesen Zeitraum. Eine höhere Sicherheitseinschätzung ist jedoch etwas anderes als nachweislich weniger Stürze. Auch eine Überlegenheit gegenüber anderen Bewegungskursen lässt sich aus diesem Vergleich nicht ableiten.
Der Vergleich macht einen Unterschied
Eine kleine Pilotstudie von 2010 verglich Feldenkrais mit einem allgemeinen Balancekurs. 22 Personen nahmen über acht Wochen teil. Beide Gruppen verbesserten sich in mehreren Messgrößen; die Autoren beschrieben die Ergebnisse insgesamt als vergleichbar. Wegen der kleinen Stichprobe und der nicht vollständig zufälligen Zuteilung ist das kein Beweis für Gleichwertigkeit oder Überlegenheit.3
Eine konkrete Frage behalten
Für einen Alltag mit mehr Bewegung lohnt es sich, das Ziel genau zu benennen: leichter aufstehen, sicherer wenden oder sich beim Gehen mehr zutrauen. Diese Ziele hängen zusammen, sind aber nicht dasselbe. Zwei kleine Studien beantworten auch nicht jede Frage zur Methode. Sie helfen, genauer hinzusehen: Welche Fähigkeit wurde untersucht, bei wem und im Vergleich womit?
Quellen & Weiterlesen
- Connors et al.: Feldenkrais Method balance classes — a qualitative research study (2010) ↗Analyse von Unterrichtsinhalten und Bewegungsaufgaben in Balance-Lektionen.
- Vrantsidis et al.: Getting Grounded Gracefully (2009) ↗Randomisierte Studie mit 55 älteren Personen: acht Wochen Gruppenunterricht gegenüber gewohnter Aktivität.
- Hillier et al.: The effects of Feldenkrais classes on the health and function of an ageing Australian sample (2010) ↗Kleine kontrollierte Pilotstudie mit 22 Personen und pseudorandomisierter Zuteilung; Vergleich mit einem allgemeinen Balancekurs.
