Du schiebst eine Tasse über den Tisch. Die Hand bewegt sich nach vorn, der Ellenbogen öffnet sich, vielleicht folgt die Schulter. Solange die Tasse ankommt, bleibt der Weg oft nebensächlich. Für einen Moment können wir genau diesen Weg zum Gegenstand der Aufmerksamkeit machen.

Vergleichen braucht Unterschiede

Eine Untersuchung von Feldenkrais-Lektionen beschrieb wiederkehrende Unterrichtselemente: Bewegungen wiederholen, Varianten ausprobieren und die eigene Wahrnehmung als Rückmeldung nutzen. Die Forschenden analysierten den Inhalt der Stunden. Daraus lässt sich etwas über die Art des Unterrichts lernen; ein bestimmter neurologischer Wirkmechanismus wurde damit nicht nachgewiesen.1

Für eine eigene Erkundung lässt sich daraus eine einfache Idee ableiten: Verändere zunächst nur eine Bedingung. Ein kürzerer Weg, ein anderes Tempo oder eine zusätzliche Unterstützung bieten einen konkreten Vergleich. Wenn alles gleichzeitig anders wird, ist schwerer zu beschreiben, welcher Unterschied gerade auffällt.

Unterstützung verändert die Aufgabe

Auch die Umgebung bewegt mit: Eine Tischfläche trägt einen Teil des Armgewichts. Eine Lehne bietet dem Rücken Kontakt. Solche Bedingungen gehören zur Aufgabe und können den Vergleich interessanter machen als die Frage, ob eine Bewegung äußerlich größer aussieht.

Diese beiden Impulse sind eigenständig formulierte Alltagsbeispiele. Sie veranschaulichen Wahrnehmen und Vergleichen und bilden keine vollständige Feldenkrais-Lektion ab.

Zurückkommen gehört dazu

Nach einer Variante lohnt sich die Rückkehr zur ersten Bewegung. Vielleicht fühlt sie sich klarer an, vielleicht ungewohnt oder unverändert. Jede dieser Antworten ist möglich. Für die Beobachtung genügt es, den Unterschied in eigenen Worten zu beschreiben: Wo beginnt der Weg? Was bewegt sich mit? Wo taucht eine Pause auf?

Quellen & Weiterlesen

  1. Connors et al.: Feldenkrais Method balance classes — a qualitative research study (2010) ↗Inhaltsanalyse von Bewegungslektionen: eigene Wahrnehmung als Rückmeldung, Wiederholung, Variation und erkundendes Lernen.